In Zukunft mehr Insekten-Snacks – Ideenwettbewerb Agrar & Ernährung 2017

TeneTRIO gewinnt den Ideenwettbewerb Agrar & Ernährung 2017 – Zuerst Popcorn für den Hund

In Zukunft mehr Insekten-Snacks - Ideenwettbewerb Agrar & Ernährung 2017
Agrar- und Ernährungswirtschaft in postfaktischen Zeiten. Fotos: Natalie Färber

Drei junge Wissenschaftlerinnen sind fasziniert von der Vorstellung, Insekten als alternative Proteinquelle für Fleisch zu etablieren. Dr. Ina Henkel, Sabrina Jaap und Katrin Kühn sind die Preisträgerinnen des Ideenwettbewerbs Agrar & Ernährung 2017. Ihr gemeinsames Ziel: innovative Produkte für die Humanernährung zu entwickeln und mit Blick auf Klimawandel, geringe Flächenverfügbarkeit und steigenden Fleischkonsum einen Beitrag zur Ernährung einer weltweit wachsenden Bevölkerung zu leisten. Auf dem Umweg über einen von ihnen entwickelten Hundesnack, die TenePops, wollen sie um Akzeptanz für insektenbasierte Produkte werben – letztendlich auch für die menschliche Ernährung. Ihr Mut und konsequentes Engagement haben die Jury überzeugt.

Nachhaltigkeit zählt

In Asien wurde die Faszination für Insekten bei Ina Henkel und Katrin Kühn geweckt, wo Insekten schon lange auf dem Speisezettel zu finden sind. Warum nicht Mehlwürmer als Ausgangsbasis nehmen?, fragten sich die beiden Ernährungswissenschaftlerinnen. Sie sind nährstoffreich und reproduzieren sich schnell. So benötigt die Produktion eines Kilogramms essbaren Mehlwurmproteins im Vergleich zur Rindfleischproduktion gerade einmal ein Zehntel an Fläche und ein Drittel des Wassers. Zudem werden 88 Prozent weniger Treibhausgase produziert. „Das ist echt nachhaltig“,so Kühn. „Von der verrückten Idee einer Mehlwurmaufzucht sind wir dann buchstäblich auf den Hund gekommen“, erklärt Henkel. Denn die Verarbeitung von Mehlwürmern für Lebensmittel ist in Deutschland noch nicht erlaubt, für Heimtiere aber schon. Inspiriert durch ihren Mentor Prof. Florian Schweigert an der Universität Potsdam machten sie sich an die Arbeit, ein Konzept für eine Unternehmensgründung von der Produktion, der Verarbeitung bis hin zur Vermarktung auszuarbeiten. Neben Markt- und Wettbewerbsanalysen mussten für Mehlwürmer eine standardisierte und regionale Aufzucht sowie ein Verarbeitungsprozess aufgebaut werden. Aber auch betriebswirtschaftlich musste es ja stimmen. So wurde aus dem ursprünglichen Duo mit Wirtschaftswissenschaftlerin Sabrina Jaap ein Gründertrio, das sich schon aus Schultagen kennt. „Die Finanzierung war eine große Frage“, räumt Katrin Kühn ein. Ein Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums war ein wichtiger Anschub.

Der Name ist Programm

Gut durchdacht ist auch der Name ihres noch zu gründenden Unternehmens. „Mit dem Namen TeneTRIO haben wir ein Wortspiel kreiert“, erläutert Sabrina Jaap. „Zum einen leitet sich der Name von Tenebrio molitor, der Mehlkäferlarve ab, die sich auch in drei Stadien vom Ei zum Käfer entwickelt. Und zum anderen vereint der Mehlwurm drei wertvolle Bestandteile: erstens das gute Protein wie beim Rind, zweitens die guten Omega-Fettsäuren wie im Fisch und drittens die Vitamin- und Mineralzusammensetzung wie in Obst und Gemüse.“ Für die Aufzucht von lebenden Mehlwürmern konnten die Gründerinnen das Institut für Getreideverarbeitung (IGV GmbH) in Potsdam gewinnen. Auch die Produktionstechnologie stellt die IGV für die TenePops zur Verfügung. „Als die erste Charge lebender Mehlwürmer ankam, war dieses Krabbeln aber auch für uns gewöhnungsbedürftig“, erzählt Ina Henkel schmunzelnd. Inzwischen gibt es keine Berührungsängste mehr.

Ziel fest im Blick

Dass ihre TenePops – das Popcorn für den Hund – auch bei den Vierbeinern ankommen, haben sie im Freundeskreis und benachbarten Hundeschulen bereits getestet. Intensiv arbeiten die drei Wissenschaftlerinnen nun an weiteren Produktentwicklungen. Aber nicht nur der Hundesnack soll nachhaltig sein, auch die Verpackung muss es sein. Zunächst wollen sie den deutschen Markt erobern mit etwa 7 Millionen Hunden, einem Gesamtumsatz für Hundefutter von 1,32 Mrd. € und einer Wachstumsrate von rund 6 Prozent. Darüber hinaus engagieren sie sich in Vorträgen und auf Veranstaltungen dafür, Menschen über das Potenzial von Insekten als mögliche Proteinalternative aufzuklären. Noch sind Insekten weder in der Futtermittelproduktion für Nutztiere noch in der Lebensmittelproduktion zugelassen. Die Preisträgerinnen hoffen aber darauf, dass sich dies mit der Überarbeitung der Novel-Food-Verordnung im kommenden Jahr ändern wird. An ihrer Vision halten sie fest, Lebensmittel auf Insektenbasis auch in Europa etablieren zu können – gesund und vor allem nachhaltig.

Dr. Ina Henkel – Die Forscherin

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Dr. Ina Henkel studierte Ernährungswissenschaft an der Uni in Potsdam und wurde promoviert zu dem Thema „Experimentelle Ernährungsmedizin“. Damit wurde der Grundstein in puncto Know-how für die Aufzucht von Mehlwürmern gelegt. Darüber hinaus organisiert sie Summer Schools im Bereich „International Nutrition“. Der größte Reiz für sie ist, erlerntes Wissen praktisch umzusetzen. Bei Insekten gibt es noch viel zu erforschen und Potenzial zu entdecken. Diesen Trend mitzugestalten findet sie „super spannend“.

Katrin Kühn – Die Qualitätsbewusste

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Katrin Kühn ist ebenfalls studierte Ernährungswissenschaftlerin. Ihr Schwerpunkt sind tiefgreifende Kenntnisse zu Labormethoden, von denen das Qualitätsmanagement von TeneTRIO profitiert. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni hat sie darüber hinaus viel Erfahrung in Projektmanagement und Kostenkalkulation sowie im IT-Bereich gesammelt. Sie treibt vor allem der Nachhaltigkeitsgedanke an. Mit ihrem Engagement will sie im Hinblick auf eine ressourcen- schonende und sichere Welternährung etwas bewirken.

Sabrina Jaap – Die Wagemutige

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Sabrina Jaap hat Internationale Wirtschaftswissenschaften studiert. Erste Arbeitserfahrungen in den Bereichen Nachhaltigkeit, Marketing- und Markenkommunikation sowie Personalund Geschäftsentwicklung hat sie im In- und Ausland gesammelt. In Frankreich arbeitete sie zuletzt im Exportvertrieb und der Marketingkommunikation. Das Konzept von TeneTRIO hat die Wirtschaftswissenschaftlerin voll überzeugt. Deshalb hat sie den Sprung ins TeneTRIO-Team gewagt und „bis jetzt nicht bereut“. Mit ihrem Engagement will sie insbesondere die Welt „ein Stück besser machen“.

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